Anfängerfehler

SchulklasseDa steht man nun. Zum ersten Mal selbst verantwortlich für eine Klasse. Da steht man nun. Und überlegt verzweifelt, wie man denn nun um Ruhe bitten soll. Da steht man nun. 30 Augenpaare sind bereit zu richten. So steht man da, als junger Lehrer, und merkt, dass die Realität dann doch irgendwie anders ist, als man sie sich an der Universität vorgestellt hatte. Darum im folgenden ein paar gute Ratschläge von jenen, die die erste Überraschung schon hinter sich haben.

Empfehlen kann ich die Lehren aus der ersten Unterrichtsstunde von niemehrschule. Punkt vier: Persönliche Autorität hängt am fachlichen Wissen. Mir hat einst ein Seminarleiter (eines nicht pädagogischen Seminars!) sehr weitergeholfen. Er sagte: „Ich kann Sie hier nicht auf ihren späteren Unterricht vorbereiten. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie Sie es dann machen sollen. Aber ich kann Ihnen Fachwissen vermitteln. Und das wird Ihnen später helfen, in der Klasse kompetent zu handeln und sich sicherer zu fühlen.“ Fachliche Vorbereitung ist ganz sicher nicht alles. Aber wir können uns fachlich so bilden und vorbereiten, dass wir wenigstens hier schon einmal auf der sicheren Seite sind. Und besonders in Bezug auf ältere Schüler kann ich niemehrschule zustimmen – hier hängt meiner Erfahrung nach tatsächlich sehr viel Autorität an der fachlichen Kompetenz.

Ich wurde aber, sehr naiv von der Uni kommend, noch auf ganz andere Weise überrascht. Anfangs machte ich mir – ganz zu Recht – Gedanken über Disziplinprobleme. Was ich da nicht alles an methodischem Handwerkszeug gelernt hatte. Ich probierte Vieles aus: Plante anders, setzt neue Ziele und die Schüler um, motivierte und bestrafte, versuchte es mit autoritärem Verhalten und schülernaher Textauswahl. Wollen Sie wissen, wie ich das Problem gelöst habe? Gar nicht. Das Problem hat sich von alleine gelöst. Nach zwei bis drei Monaten kannte ich die Schüler und sie mich. Wir wussten, was wir von dem anderen zu erwarten hatten. Ich konnte die stundenlangen theoretischen Überlegungen über Ziele, Inhalte, Methoden und Materialien über Bord werfen. Was nicht heißt, dass ich mich nicht mehr intensiv vorbereitet hätte. Aber es viel mir leichter, seit ich wirklich verstanden und erfahren hatte, dass Lernen über menschliche Beziehungen funktioniert. Die beste und erleichterndste Erfahrung war für mich, als meine Schüler und ich mein vergeigtes methodisches Vorgehen durch einen kleinen Scherz und ein gemeinsames Lachen abhaken konnten.

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