Das Backfischbuch, Teil 2: Pucki

Was hat Generationen von Mädchen geprägt? Na klar, das „Backfischbuch“. „Backfischbuch“? Nein, es geht hier nicht um den Fischfang. „Backfisch“  ist die inzwischen aus der Mode gekommene Bezeichnung eines Mädchens in der Pubertät. Und es lohnt sich, diesem Backfischbuch einmal nachzustöbern, können doch unsere Mütter, Großmütter und Urgroßmütter ein Lied davon singen.

Typische Vertreter der Gattung Backfischbuch sind die Nesthäkchen-Bände von Else Ury und die Pucki-Reihe von Magda Trott. Werfen wir nun einen Blick in  „Pucki kommt in die höhere Schule“  von Magda Trott (Trott, Magda: Pucki kommt in die höhere Schule, Leipzig 1935).

Auch die Heldin Hedwig entstammt einer bürgerlichen Kleinfamilie, der Vater ist Förster. So wird in „Pucki kommt in die höhere Schule“ zwar auch schickliches Verhalten in Gesellschaft gelehrt, (so wenn die temperamentvolle Pucki über einen Zaun klettert und sich dabei ihr Kleid zerreißt), jedoch weniger intensiv als in der „Nesthäkchen“-Reihe. An dieser wie an anderen Stellen ist es ebenfalls ein belehrender, väterlich-wohlwollender Mann, der Puckis Fehler oder Aufbegehren korrigiert.

Dafür steht im vorliegenden Band Heimat- respektive Naturverbundenheit im Vordergrund. Denn der Wechsel auf die höhere Schule ist für Hedwig mit einem Umzug in eine andere Stadt verbunden. So taucht der Verlust der Heimat immer wieder als Motiv im Roman auf, meist in Verbindung mit der Liedzeile „Nun ade, Du mein lieb’ Heimatland, lieb’ Heimatland, ade“. Weiterhin sucht Pucki, als sie ihre Heimat verlassen soll, verzweifelt nach einer Lösung, doch zu Hause bleiben zu können.  Doch ermahnt sie der Hauslehrer der Nachbarsjungen, dass es „gegen den Wunsch deiner Eltern  […] kein Aufbegehren“ gebe und der Oberförster belehrt, dass „über seine Kinder […] immer noch der Vater zu bestimmen“ habe.Hierin ist wieder die Unterordnung unter den Mann beziehungsweise Vater zu erkennen, die von den Mädchen bedingungslos gefordert wird.

Ebenso erscheint es in der „Pucki“-Reihe ebenfalls unumstößlich, dass Hedwig für Mann und Familie ihren Beruf aufgeben wir. In „Pucki wird eine glückliche Braut“ (Trott, Magda: Pucki wird eine glückliche Braut, Leipzig 2193) rät ihr eine Freundin: „Lass endlich die Arbeit an dem Vortrag sein, Hedi, du heiratest ja doch mal. Du wirst nie als Kindergärtnerin tätig sein […].“ Offensichtlich schließen sich auch für Magda Trott Berufstätigkeit und Muttersein aus. Interessant ist, dass die Heldin bei Else Ury immerhin studiert, während Trotts Hauptfigur zwar die höhere Schule besucht, das Ergreifen eines akademischen Berufes jedoch ausgeschlossen wird.

Mir erscheint die „Pucki“-Reihe noch naiver als die „Nesthäkchen“-Bände, zumal sie frei von jeglichem politischen Kommentar ist. Pucki versucht weit weniger, gegen ihre Situation aufzubegehren, sie erscheint noch mehr als handlungs- und willenloses Opfer ihrer Situation. Auch bei diesen Bänden ist erstaunlich, wie viele Jahrzehnte lang und dass sie auch nach 1945 gelesen wurden. Dass sie kontinuierlich von Müttern (oder Vätern) an die Töchter weitergegeben wurden. Haben sich die Eltern dabei auch gefragt, was sie ihren Töchtern da mit auf den Weg geben? Vielleicht sollten wir uns wenigstens öfter die Frage stellen, was unseren Kindern und Schülern im Fernsehen, der Werbung, in Büchern etc. täglich für überkommene Rollenbilder gezeigt werden.

Zum Weiterlesen

 Brentzel, Marianne: Nesthäkchen kommt ins KZ. Eine Annäherung an Else Ury 1877-1943,  Zürich et al. 21993

Dahrendorf, Malte: Kinder- und Jugendliteratur im bürgerlichen Zeitalter, Königstein 1980

Zahn, Susanne: Töchterleben. Studie zur Sozialgeschichte der Mädchenliteratur, Frankfurt/ Main, 1983

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Frauen und Mädchen, Literatur

Eine Antwort zu “Das Backfischbuch, Teil 2: Pucki

  1. die „originalen“ Backfischbuecher waren Clementine Helms _Backfischchens Leiden und Freuden_ und Emmy von Rhodens _Der Trotzkopf_, biedes aus der zweiten Haelfte des 19. Jahrhunderts.

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