Vom Sinn des Impfens

Ich stehe dazu: Ich bin geimpft. Eigentlich dachte ich, dass dies völlig normal sei. Wurde aber eines besseren belehrt, als ich vor einiger Zeit den ersten Impfgegner traf. Ich lernte, dass es so genannte „Impfschäden“ gebe, also Kinder, die durch das Impfen schwere Erkrankungen und Behinderungen erlitten. Das Argument fand ich beachtenswert. Wikipediaverrät mir aber, dass

bei den öffentlich empfohlenen Impfungen das Risiko von Impfschäden im Verhältnis zu den Risiken der beimpften Krankheiten verschwindend gering [ist].

Ich erfuhr weiterhin, dass es nicht nötig sei zu impfen, da viele der Krankheiten nicht mehr auftreten würden und der Körper des Kindes im Falle einer Erkrankung oft alleine stark genug sei, um den Krankheitserreger zu bekämpfen. Zuerst zu Zweiterem: Dass viele Menschen infolge von Krankheiten wie Kinderlähmung, Masern etc.  Folgeschäden – und dazu zählt explizit auch der Tod – davontragen, ist medizinisch bewiesen und kann heute noch in Regionen beobachtet werden, in denen Impfen nicht Usus ist. Selbstverständlich überstehen viele Menschen die Krankheiten ohne diese Schäden; die Wirksamkeit des Impfens ist aber wissenschaftliche bewiesen – warum also das Risiko einer Erkrankung eingehen? Zumal das Risiko eines Impfschadens – um das Ganze rein mathematisch zu betrachten – geringer ist als das der Impfschädigung (s.o.). Zu Ersterem: Die Logik gebietet es anzumerken, dass es ja nun viele dieser Krankheiten kaum noch gibt, weil eben viele Menschen dagegen geimpft sind. Nicht zufällig sind schließlich die Anzahl der Krankheitsfälle drastisch zurückgegangen, seit dagegen geimpft wird. Eine mir bekannte Medizinerin bezeichnet die Impfverweigerer darum treffend als „Impfschmarotzer“. Martin Ballaschk verrät auf SciLogs, dass mehrere Masernausbrüche folglich an Waldorfschulen – viele der Eltern traditionell Impfgegner – stattgefunden und sich von hieraus in der Region ausgebreitet hätten. Dieser „netten Anekdote“ möchte ich nur noch einen weiteren Mythos hinzufügen:  Letztes Argument der Impfgegner ist, dass das Impfen ein Schwindel der großen Pharmakonzerne sei, den die Ärzte vermittelten. Ich möchte nicht leugnen, dass die Pharmakonzerne an überteuerten Wirkstoffen kräftig verdienen und ihre Hände gewiss auch sonst nicht in Unschuld waschen (kennen Sie Buch und Film „Der ewige Gärtner“? – sehr empfehlenswert!). Das widerlegt aber nicht die Wirksamkeit und den Sinn des Impfens. Zumal Konzerne mit homöopathische Mittel ebenso eine Menge Geld scheffeln – und das, obwohl diese wissenschaftlich als nicht wirksam entlarvt wurden (ein Hoch aber auf den Placebo-Effekt und das menschliche Gespräch zwischen Arzt und Patient!). Also: Ich stehe dazu – im bin geimpft. Und das ist auch gut so 😉

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Vom Sinn des Impfens

  1. Ich halte die Verweigerung des Fortschritts aus Gründen des Aufbegehrens gegen gesellschaftliche Missstände schlichtweg für falsch. Doch seis drum, ich gönne jedem seine Art der Revolution, jeder hat diese Freiheit, sich für oder gegen besagten Fortschritt zu entscheiden. Allerdings widert es mich ausgesprochen an, wenn sich jemand erdreistet, diese Entscheidung auch für Menschen zu treffen, die selbst nicht dazu in der Lage sind. Ich spreche dabei in erster Linie von Kindern. Muss man eine Entscheidung für jemand anderen treffen, dann sollte dies auf die vernünftigste Art und Weise tun, und sich nicht von rebellischen Gedanken ablenken lassen. Dies käme dann eher einem Rückfall in meiner Ansicht nach längst vergessene Zeiten, nämlich ins Mittelalter, gleich.

  2. Andreas Lichte

    Im Artikel heisst es: „Dieser „netten Anekdote“ möchte ich nur noch einen weiteren Mythos hinzufügen.“

    Das Robert Koch Institut – und ich – sehen den Impfboykott der Anthroposophen nicht als „Anekdote“, immerhin wurde das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Masern bis 2010 in Europa auszurotten, untergraben …

    „»Masern werden von Waldorfschule zu Waldorfschule übertragen …«

    (…) Im April 2010 lese ich von Masern in Mettmann, NRW.[2] Als ich der Pressestelle des Kreisgesundheitsamtes sage, dass ich mich für den Masernausbruch interessiere, fragt man: „Wieso? Die Masern sind doch schon wieder vorbei.“ Ich sage: „Das mag sich vielleicht merkwürdig anhören, aber ich möchte wissen, ob eine Waldorfschule betroffen war.“ Am anderen Ende der Leitung macht es „aaah“, man weiss sofort Bescheid und sagt: „Dann ist es wohl am besten, wenn Sie Frau Kohnert zurückruft.“

    Das tut Regina Kohnert, stellvertretende Leiterin des Kreisgesundheitsamtes Mettmann, und bestätigt mir, dass alle Masernfälle in Waldorfschulen aufgetreten sind. Die Kinder hätten Kontakt zur Waldorfschule in Essen gehabt, auch dort gibt es die Masern …[3]

    „Masern werden von Waldorfschule zu Waldorfschule übertragen …“, aber da sage ich Frau Kohnert wirklich nichts neues. J E D E R der mit Impfprävention zu tun hat, weiss das.

    So warnt Dr. Axel Iseke vom Gesundheitsamt Münster Ende April: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass es über die Waldorfschule auch in Münster zu einem größeren Masernausbruch kommt.“ Denn in Essen sind die Masern ja schon, und Zitat Presseerklärung Münster: „Familien aus dem Umfeld von Waldorfschulen seien häufig überregional vernetzt.“ [4]

    Doch wer weiss genaueres über die Infektionskette Waldorfschule? Doch sicher das „Robert Koch Institut“ (RKI), „die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention“ (…)“

    weiter: http://waldorfblog.wordpress.com/2010/06/22/„masern-werden-von-waldorfschule-zu-waldorfschule-ubertragen%C2%A0…“/

  3. Vielen Dank für den Kommentar. Es stimmt, dass ich „’nette Anekdote'“ schreibe, ist missverständlich. Zur Erklärung: Ich habe es in Anführungsstriche gesetzt, um den Widersinn dahinter deutlich zu machen und meinen Beitrag ironisch zu gestalten. Danke auch für Ihren interessanten Link und Artikel!

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