Bücher für Kinder mit LRS?

Wer im Internet nach Anhaltspunkten dafür sucht, ob ein Kind spezielle Probleme beim Lesen und Schreiben hat, wird auf diverse „Checklisten“ stoßen. Auf Sinn und Unsinn dieser Ankreuz-Listen will ich jetzt nicht näher eingehen. Nur so viel: Sie können eine erste Orientierung bieten, ersetzen aber keine profunde Diagnostik. Auf diesen Checklisten findet sich jedenfalls meist die Frage, ob das Kind ungerne lese. Das kann wohl der Großteil der Eltern bejahen und leider ändert sich daran auch mit der Zeit und zunehmender Lesekompetenz wenig. Da hat das Gehirn im Erstkontakt mit dem Thema Lesen schlechte Erfahrungen gemacht und Lesen von diesen negativen Emotionen zu entkoppeln, ist wohl eine große Aufgabe. Daran, eine Lesemotivation bei Schülern und Schülerinnen mit Lese-Rechtschreib-Störung aufzubauen, ist wohl schon so mancher gescheitert … Darum hier einige Ideen, wie Bücher-Lesen trotz LRS gelingen kann.

Ein großes Problem bei Kindern mit LRS ist, dass sie ein Wort nicht gut in seine Bestandteile gliedern können.  So wird mühsam Buchstabe für Buchstabe, vielleicht auch Silbe für Silbe entziffert. Bis die Kinder Lesen so weit gelernt haben, dass sie kleinere Texte verstehen können, sind passenden Bücher nicht mehr ihrem Alter angemessen. Wer will dann schon in der dritten Klasse Bücher für Erstklässler lesen? Ein Buch, dass einen dem Alter angemessenen Inhalt für Kinder mit LRS aufbereitet, habe ich noch nicht gefunden … Die Bücher der Reihe Leserabe des Mildenbergs Verlag kommen dem allerdings nahe: Hier werden die Wörter konsequent durch zweifarbige Markierung in Silben unterteilt. Das erleichtert das Lesen erheblich. Die Geschichten gibt es auf verschiedenen Lesestufen. Viele Silben sind dennoch recht komplex (ganz ohne komplexe Wörter kommt eine gute Geschichte wohl nicht aus) und damit schwer zu lesen. Aber: Mittels dieser Technik sind auch Kinder mit größeren Leseproblemen in der Lage, ihrem Alter entsprechende Geschichten lesen zu können.

Ältere Schüler können Wörter schon recht gut in Silben lesen, der Lesefluss bleibt aber oft stockend, so dass das Satzverständnis behindert ist. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ein Sechsklässler vor kurzem ein Buch mitbrachte, das er sich selbst gekauft und vollständig gelesen hatte. Es handelt sich um Gregs Tagebücher, die momentan schwer in Mode sind. Die Bände sind als Comic-Roman angelegt und erfreuen sich wegen der Comic-(wenig)Text-Kombination, aber auch wegen der witzigen Erzählweise großer Beliebtheit. Das Besondere: Es handelt sich um „Jungs“-Bücher (ich entschuldige mich für diese platte Geschlechter-Pauschalisierung); der Autor hat es geschafft, die Geschichte eines Schülers so zu erzählen, dass Jungen – selbst die, die sonst nicht freiwillig lesen – sie gerne lesen. Chapeau!

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Eingeordnet unter Lese-Rechtschreib-Störung, Vorgestellt

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