Kritik am Kritisieren

Momentan einer meiner Lieblingsblogs: ADHS-Spektrum.

Schon allein deshalb lesenswert, um den (unter Lehrern und Lehrerinnen wohl? leider? besonders?) verbreiteten Vorurteilen à la „Früher hat es sowas nicht gegeben“, „reine Modediagnose“, „Das kommt von der Feminisierung des Lehrerberufs“, „Jungen werden heutzutage diskriminiert und sollten sich häufiger Prügeln dürfen“, „Heutzutage sitzen die Kinder einfach zu lange vor diesen neuen Medien“ etc.  entgegenzutreten.

Jedenfalls: Piero Rossi, seines Zeichens Dipl.-Psych., ruft dazu auf, am ADHS-Lexikon des Projekts Kinder & ADHS mitzuschreiben. Gesucht würden einschlägig bewanderte Laien (Eltern, Lehrer/innen, Betroffene), gerne auch Fachkräfte.

Mein erster Beitrag würde ja lauten:

*Ironie on*

ADHS-Kritiker, der oder die: Person, die Themen aus den Bereichen Psychologie, technische bzw. mediale Entwicklung, Gender-Mainstreaming im Allgemeinen kritisch gegenübersteht, im Volksmund auch bezeichnet als „Ewig Gestrige“.

Sätze werden gerne begonnen mit „heutzutage“, weitere häufig und pejorativ verwendete Schlagwörter sind „Modediagnose“, „DIESES Internet“, „die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft“ und „die Pharmaindustrie“.

Vorurteile gegenüber einer AD(H)S-Diagnose beruhen auf der Argumentation, Konzentrationsprobleme rührten allein vom häufigen Medienkonsum und würden sich „von alleine legen“, wenn die Kinder an die frische Luft gingen. Ferner wird angenommen, dass das „System Schule“ die Jungen dazu zwinge, ruhig sitzenzubleiben, dass LehrerINNEN den natürlichen Bewegungsdrang hemmten, indem sie Prügeln, Schubsen, Schreien etc., da sie ja Frauen seien, unterbinden und damit eine ADHS-Symptomatik erzeugen würden. Des Weiteren würden die Lehrkräfte dazu tendieren, Kinder vorschnell mit einer Diagnose zu belegen, um sie mit der „Droge Ritalin“ ruhigstellen zu können und nicht ihren eigenen Unterricht hinterfragen zu müssen. Beleg für diese Argumentation ist, dass es „sowas ja früher auch nicht gegeben“ habe. Manchmal wird außerdem behauptet, den Kindern fehle Disziplin, die Eltern hätten versagt etc., alle Beteiligten, vor allem das Kind selbst, sollten sich „mal zusammenreißen“ und „zur Ruhe zwingen“, das hätte ja bei einem selbst früher auch funktioniert. Eine weitere fehlerhafte Argumentation ergibt sich aus der auf Verschwörungstheorien gründenden Annahme, hinter allem stehe „die Pharmaindustrie“, die Gewinn machen wolle und deshalb den Verkauf von Ritalin fördere. Und das, obwohl sich ADHS, so die „Ewig Gestrigen“, ja irgendwann auch von alleine lege.

Der oder die ADHS-Kritikerin ist ferner daran zu erkennnen, dass er/sie sich durch Fachinformation, neue Studien (egal wievielfach verblindet), differenzierte Argumentation etc. nicht beeinflussen lässt, sondern an seinem/ ihrem Weltbild mit aller Kraft festhält.

*Ironie off*

Umso schlimmer, wenn diese Person Lehrer/in oder Ausbilder von Lehrer/innen ist und mit diesen Vorurteilen an Menschen herantritt, die tatsächlich ADHS haben bzw. Kinder und Jugendliche mit ADHS unterrichten.

Also: Ich empfehle den ADHS-Blog oder ähnliche Seiten, um sich fundiert zu informieren.

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Eingeordnet unter Grenzwertig, Lachen hilft gegen Burnout

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