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Nißt ßön dieses Proplem

Geschieht so häufiger bei der LRS-Förder-Diagnostik:

Ich: Ist Ihnen aufgefallen, dass Ihr Sohn lispelt (nuschelt, Endungen nicht richtig ausspricht, viele Laute verwechselt ..).

Mutter: Was? Nee? Hab ich nicht gemerkt? Was meinen Sie denn?

Ich: XYZ, sagt mal „Wunsch“.

XYZ: Wunch.

Ich: Und „schön“.

XYZ: chön.

oder:

Ich: ABC, Sag mal „Giraffe“.

ABC: Tiraffe.

Ich: Und „Gürtel“.

ABC: Dürtel.

oder:

Ich: HIJ, sag mal „spielen“.

HIJ: Spin.

Ich: Und „machen“.

HIJ: Mahn.

Mutter: Ach das, ja, das macht er öfter. Das ist mir auch schon aufgefallen. Ist das denn wichtig?

JA, es ist wichtig. Wenn ein Kind in einem bestimmten Alter immer noch sehr undeutlich spricht, Laute verwechselt, lispelt etc., dann sollte der Kinderarzt zwecks einer Lopopädie angesprochen werden. Und JA, es gibt hier einen sehr wichtigen Zusammenhang mit der vermuteten LRS. Am besten sollten solche Auffälligkeiten im mündlichen Sprachgebrauch vor dem Lesen- und Schreibenlernen verbessert/ behoben werden, weil sie das Lernen behindern können. Spätestens wenn sich starke Probleme beim Erlernen des Lesens und Schreibens einstellen, sollte man sich um die Schwierigkeiten beim Sprechen kümmern, da diese vermutlich das sicherer Lernen ver- oder behindern und einer effektiven LRS-Förderung im Wege stehen (können). Denn: Wenn ein Kind „trei“ sagt und „trei“ schreibt, ist das kein Problem beim Schreiben, sondern eines der Aussprache.

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Eingeordnet unter Lese-Rechtschreib-Störung, Lesen und Schreiben lernen

LRS: Diagnostik für Fachleute

Wer sich mit der Diagnostik von Lese-Rechtschreib-Störungen bzw. -Schwächen beschäftigt oder intensiver beschäftigen möchte, dem sei eine Seite der Klinik der Universität München ans Herz gelegt. Achtung: Die Seite ist eher für Menschen geeingnet, die sich schon näher mit dem Thema beschäftigt haben, da sie sehr spezielle Informationen enthält. Ich finde sie aber genau deshalb angenehm komprimiert dargestellt und eine gute Hilfestellung bzw. Auffrischung für die eigene Praxis. Hier findet sich beispielsweise eine Tabelle, mithilfe deren schnell erfasst werden kann, ob das Diskrepanzkriterium (IQ mit Prozentrang in Bezug gesetzt) vorliegt. Sehr nützlich auch die Übersicht dazu, welcher Test in welcher Schulwoche eingesetzt werden kann.

Wer mit Kindern arbeitet, die Lese- und Schreibprobleme haben, kann die beiden obigen Sätze gut verstehen. Für alle anderen hier die Übersetzung: „Der Ritter hat ein Schwert. Er schlägt damit zu.“

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Vorgestellt: 37°-Reportage: Die Pathologisierung unserer Kinder

Ein wenig zu langsam, ein wenig zu schlau, ein wenig zu laut, ein wenig zu verträumt – ein wenig anders: die 37°-Reportage stellt Kinder vor, die in der Schule Probleme bekamen, weil sie nicht in in das Konzept passten, das auf „Normschüler“ ausgerichtet ist. Stattdessen bekommen die Kinder und ihre Eltern von Anfang an zu hören, dass „etwas nicht stimmt“, eine Therapieempfehlung oder Verdachtsdiagnose. Doch konsultierte Psychologen finden entweder kein eindeutiges Ergebnis oder stellen jede Menge sich wiedersprechende Diagnosen. Die absolvierten Therapien ändern nichts daran, dass die Kinder einfach nicht in die Norm der Schule passen wollen. Die Journalisten sprechen mit den Eltern, die diesen Diagnose- und Therapie-Marathon einige Zeit lang mitgemacht haben, bevor sie sich endlich trautem, ihrem ersten Eindruck zu glauben: Dass mit ihren Kindern alles in Ordnung ist, so lange es ihnen mit sich selbst gut geht. Dass nicht unbedingt mit ihrem Kind „etwas falsch“ ist, sondern dass es auch sein kann, dass die Schule eben nicht die richtige ist.

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Hochbegabte Mädchen

Vor kurzem las ich ein interessantes Interview von Frauenzimmer mit der Dipl-Psych. Petra Nagel über hochbegabte Mädchen. Die auf Hochbegabung spezialisierte Psychologin hebt insbesondere hervor, dass die besondere Begabung vieler Mädchen häufig nicht auffällt und seltener als bei Jungen diagnostiziert wird, weil Mädchen dazu neigen, sich anzupassen und nicht auffallen zu wollen. Durch ständige Unterforderung und das „Verstecken“ dieses Teils der Identität entwickelten Mädchen dadurch häufig psychosomatische Störungen, Depressionen, etc. Was selbstredend nicht heißen soll, dass nicht auch hochbegabte Jungen mit Problemen zu kämpfen haben.

Zu diesem Thema habe ich vor kurzem das Buch der Autorin Katharina Fietze gelesen, die speziell über hochbegabte Mädchen und über (zu) spät erkannte hochbegabte Frauen schreibt. Sie schildert Persönlichkeiten und (mögliche) Probleme speziell von weiblichen Hochbegabten. Zudem erstellt sie anhand von Frauen-Porträts ein Sammelsurium von Merkmalen der Hochbegabung. Damit zeichnet sie ein umfassendes Bild davon, was hochbegabte Frauen und Mädchen ausmacht, wie diese sich fühlen und die Welt wahrnehmen.

Frauen und Mädchen, die sich – jenseits des IQ-Wertes und den rein kognitiven Merkmalen – konstruktiv mit ihrer Hochbegabung auseinandersetzen wollen, kann ich diese Zusammenstellung von Merkmalen ans Herz legen – Frau wird sich hier wiederfinden und verstehen lernen.

Aus diesen Merkmalen lässt sich zudem ableiten, warum Frauen und Mädchen es oft mit ihrer Hochbegabung schwer haben, sie häufig sogar Quell für psychologische Erkrankungen ist. Auf letzteren Aspekt geht insbesondere die Psychotherapeutin Andrea Brackmann ein, die aus ihrer Praxis über die Besonderheiten von Hochbegabten schreibt. Auch Götz Müller, der auf SciLogs zum Thema Hochbegabung veröffentlicht (hinter diesem Blog steht unter anderem die Karg-Stiftung, die sich mit dem Thema Hochbegabung beschäftigt) und selbst Psychologischer Psychotherapeut ist, befasst sich mit dem Thema Hochbegabung und Psychotherapie.

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Das Bild von Hochbegabten 

Katharina Fietze: Kluge Mädchen. Frauen entdecken ihre Hochbegabung.

Andrea Brackmann: Jenseits der Norm – hochbegabt und hoch sensibel?

Andrea Brackmann: Ganz normal hochbegabt. Leben als hochbegabter Erwachsener.

Links

Leuchtfeuer Berlin

Petra Nagel 

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Eingeordnet unter Frauen und Mädchen, Grenzwertig