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„Das Wesentliche“ oder: Was wir dafür halten

Im Deutschunterricht arbeite ich auch mit einem Schüler, der eine leichte autistische Störung hat. Das macht sich ganz alllgemein in sozialen Situationen bemerkbar; mir fallen aber auch in Deutsch immer wieder  – vermutlich spezifische – Probleme auf. Bevor ich einige Beispiel nenne, soll noch gesagt werden, dass der Junge intelligent ist und sich für Naturwissenschaften interessiert – wie viele Schüler. Und wie viele andere meiner Schüler auch, interessiert er sich nicht sonderlich für den üblichen Literaturkanon, für Gedichtsinterpretationen, für das Deuten rhetorischer Mittel etc. Darüber hinaus ist es für ihn wichtig, dass ich Aufgabenstellungen sachlich und präzise formuliere, denn mit Aussagen, die im übertragenen Sinn gemeint sind oder aus denen er meine Intention erst ableiten muss, hat er Schwierigkeiten. Er versteht Dinge so, wie sie wörtlich gesagt werden und beispielsweise „Du könntest die Aufgabe doch so oder so machen“ nicht als Aufforderung. Das übt mich darin, mir genau zu überlegen, was ich eigentlich gerade erreichen möchte und dies verständlich zu formulieren. Kurz und gut: Er bringt mir bei, wie ich idealerweise auch mit anderen Schülern/innen umgehen sollte. Letztens bin ich aber auf ein Problem gestoßen, dass wir nicht bewältigen konnten. Und das darüber hinaus eine wissenschaftliche und philosophische Debatte in mir lostrat:

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Vorgestellt: 37°-Reportage: Die Pathologisierung unserer Kinder

Ein wenig zu langsam, ein wenig zu schlau, ein wenig zu laut, ein wenig zu verträumt – ein wenig anders: die 37°-Reportage stellt Kinder vor, die in der Schule Probleme bekamen, weil sie nicht in in das Konzept passten, das auf „Normschüler“ ausgerichtet ist. Stattdessen bekommen die Kinder und ihre Eltern von Anfang an zu hören, dass „etwas nicht stimmt“, eine Therapieempfehlung oder Verdachtsdiagnose. Doch konsultierte Psychologen finden entweder kein eindeutiges Ergebnis oder stellen jede Menge sich wiedersprechende Diagnosen. Die absolvierten Therapien ändern nichts daran, dass die Kinder einfach nicht in die Norm der Schule passen wollen. Die Journalisten sprechen mit den Eltern, die diesen Diagnose- und Therapie-Marathon einige Zeit lang mitgemacht haben, bevor sie sich endlich trautem, ihrem ersten Eindruck zu glauben: Dass mit ihren Kindern alles in Ordnung ist, so lange es ihnen mit sich selbst gut geht. Dass nicht unbedingt mit ihrem Kind „etwas falsch“ ist, sondern dass es auch sein kann, dass die Schule eben nicht die richtige ist.

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